ELECTRIC WOW / 27.05.2026.
Elektro-Vans: Neuerfindung der Raumwunder
Posted by: Mag. Severin Karl
Über Jahre hinweg waren sie aus dem europäischen Straßenbild kaum wegzudenken: Vans in der Größe eines VW Touran (ca. 4,5 Meter) oder Seat Alhambra (ca. 4,8 Meter) galten als Inbegriff des praktischen Familienautos. Viel Platz, flexible Sitzkonzepte und eine hervorragende Übersicht machten sie zum idealen Begleiter im Alltag. Dann kam der SUV-Boom – und verdrängte die einstigen Raumwunder fast vollständig aus dem Fokus. Bis 2011 konnten sich die Familienfreunde in Österreichs Neuzulassungsstatistik noch ganz gut halten, dann setzte der endgültige Steilflug der SUVs an. Heute deutet einiges darauf hin, dass diese Fahrzeugklasse vor einem unerwarteten Elektro-Comeback steht.
Vom Liebling zum Ladenhüter
Der Niedergang der Vans hatte wenig mit ihren Qualitäten zu tun. Vielmehr waren es emotionale Faktoren, die den Ausschlag gaben. Nach wie vor versprechen SUVs neben der erhöhten Sitzposition Abenteuer und Lifestyle – auch wenn sie im Alltag oft weniger praktisch sind. Automobilhersteller freuten sich über den Margen-bringenden Trend, denn Coolness lässt sich teurer verkaufen. Vans wurden in die biedere Ecke gedrängt. Dabei hatten sie einen entscheidenden Vorteil: Sie waren konsequent auf Raum und Funktion optimiert. Eigenschaften, die im Alltag vieler Österreicher nach wie vor eine große Rolle spielen.
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Weniger Einschränkungen als ideale Voraussetzung
Mit dem Übergang zur Elektromobilität eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten im Fahrzeugdesign. Klassische
Einschränkungen – etwa durch große Verbrennungsmotoren oder komplexe Antriebstechnik – entfallen. Stattdessen sorgen kompakte Elektromotoren und im Fahrzeugboden integrierte Batterien für eine neue architektonische Freiheit. Das Ergebnis: mehr Innenraum bei gleichen Außenmaßen. Flache Böden, großzügige Platzverhältnisse und flexible Sitzanordnungen werden zur Norm. Fahrzeuge entwickeln sich zunehmend zu mobilen Lebensräumen, die weit über den reinen Transport hinausgehen. Was früher funktional und nüchtern wirkte, erhält plötzlich eine neue emotionale Dimension. Klar, diese Umstände sind nicht ganz neu. Aber: Endlich kommen Modelle auf den Markt, denen wieder die nötige Aufmerksamkeit zuteilwird. Bei denen man die Liebe zum Detail spürt. Familyvans, bei denen klar ist, dass sie nicht adaptierte Transporter – bei denen 200 Kilometer reale Reichweite für den Arbeitsalltag als okay gelten – sind.
Mercedes VLE: Riesensprung vom EQV
Wie dieses Comeback konkret aussehen könnte, zeigen mehrere aktuelle Modelle und Studien. Der neue Mercedes-Benz VLE etwa interpretiert den Van als luxuriösen Rückzugsort neu. Hochwertige Materialien, digitale Features und ein großzügiges Raumgefühl richten sich sowohl an Familien als auch an anspruchsvolle Businesskunden. Beim VLE 300 sorgt eine 115-kWh-Batterie für WLTP-Reichweiten von über 700 Kilometern. Seit Anfang Mai bis zum 17. Juni wird quer durch Österreich eine „VLE Sneak Preview Roadshow“ abgehalten, wo sich des Deutschen Vorzüge kennenlernen lassen. Allrad, AMG Line und weitere Ausstattungen werden noch dieses Jahr nachgereicht. Ab 2027 folgen eine Version mit 80-kWh-Batterie und die um 18 Zentimeter größere Langversion. „Alle Varianten werden mit fünf, sechs, sieben oder acht Sitzen erhältlich sein“, sagt der Importeur. Was den VLE so besonders macht? Waren beim Vorgänger EQV noch 80 kW Ladeleistung das Optimum, sind es dank 800-Volt-Technologie beim VLE bis 300 kW, womit in 15 Minuten 355 Reise-Kilometer nachgeladen werden können. Doch auch das neue „Roll-&-Go-Konzept“ der Sitze soll einen großen Unterschied machen. Wenig Kraftaufwand, in jeder Position arretierbar oder zu entfernen – klingt alltagstauglich. Rund 87.000 Euro werden für das erste bestellbare Modell samt Hinterachslenkung und weiteren hochwertigen Extras verlangt. Mit Serienausrüstung wird der VLE 300 einen Zehner weniger kosten.
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Zwei Koreaner mit cleanem Design
Auch beim Hyundai Staria Elektro findet sich ein 800-Volt-System für schnelles Laden in 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Zu den Highlights zählen zudem bis 2.000 Kilogramm Anhängelast und die Vehicle-to-Load-Funktion. Schon bekannt sind das futuristische Design mit seinen großen Fensterflächen (Flashback zum Renault Espace I!) und der loungeartige Innenraum – weit entfernt vom klassischen Van-Image vergangener Tage. Batterie: 84 kWh für 400 Kilometer Reichweite. Noch keine Preise (der Staria Hybrid beginnt derzeit bei 59.990 Euro), Marktstart im Herbst 2026. Der Kia PV5 Passenger steht ebenso exemplarisch für den Wandel. Als Teil einer neuen Fahrzeuggeneration, die auf maximale Modularität ausgelegt ist, lässt sich der Innenraum für die Familie oder als mobiler Arbeitsplatz nutzen. Es gibt zwar „nur“ 400 Volt, dafür zwei Batteriegrößen zur Wahl. 51,5 kWh sind für 295 Kilometer und 71,2 kWh für 412 Kilometer (WLTP) gut. Die 10-auf-80-Ladung bedingt eine halbstündige Pause. Vorteile: Der PV5 ist längst verfügbar, die Preise beginnen bei 38.190 Euro.
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Der Franzose denkt voraus
Pierre Leclerc, Design Director bei Citroën, greift mit dem Konzeptauto ELO nach den Van-Sternen, im wahrsten Sinne: Ein Dachelement hinten lässt sich wegklappen, ein Umbau zur Schlafstätte ist schnell erledigt. So steht der romantischen Sternebeobachtung nichts im Weg. Die leichten Sitze? Halten bei Bedarf draußen als Campingsessel her.
Gemeinsam haben all diese Fahrzeuge, dass sie den Van nicht neu erfinden, sondern seine ursprünglichen Stärken konsequent weiterdenken – und gleichzeitig emotional aufladen.
Überblick: Die Preise
- Citroën ELO: Concept-Car, keine Angaben
- Mercedes VLE: ab 62.820 Euro (wenn einmal der VLE 300 mit Serienausstattung zu bestellen ist)
- Hyundai Staria EV: noch keine Angaben
- Kia PV5: ab 38.190 Euro