ELECTRIC WOW / 09.08.2026.
Leapmotor B10 im Test: Chinesische Bio-Kost
Tatsächlich: Laut unserer Recherche gibt es zumindest in und um Wien kein China-Lokal mit bio-zertifizierter Küche oder auch nur Bio-Orientierung. Umso lustiger finden wir den B10-Schriftzug am Leapmotor-Heck ohne Stricherl beim Einser. Jeder, der hinsieht, meint „Ah, ist der bio?“
Nur keinen Sport, bitte
Egal, wir wollen fahren, nicht essen. Also schwingen wir uns in die Silikonledersitze, die sich durchaus angenehm angreifen und gehen die Fahrmodi durch, die hier Beschleunigungsmodi heißen. Ganz ehrlich: Nur Komfort ergibt Sinn. Schon bei Standard ist das Zusammenspiel aus Pedalbefehl, Lenkung und Fahrwerk nicht wirklich harmonisch. Und Sport will man sowohl dem Auto als auch den Insassen höchstens auf einer Geraden zumuten. Man kann aber wirklich darauf pfeifen, denn der B10 will sowieso nur braves Familienauto sein. Und das macht er richtig gut. Hinten sitzen selbst lange Lulatsche bequem und können sogar die Füße weit unter den Fahrersitz schieben – heutzutage eine Seltenheit. Auch könnte der Beifahrer etwa ein kleines Tascherl unterm Sitz verstauen. Bei den meisten modernen Autos eine Unmöglichkeit. Der Kofferraum wirkt am Papier nicht wahnsinnig groß, ist im Alltag aber gut nutzbar. Richtung Unterflurfach gibt es einen stabilen Boden. Der Fahrer würde sich über ein Lenkrad freuen, das er weiter an sich heranziehen kann. So muss er näher rücken und riskiert, dass das rechte Knie mit den Lüftungsdüsen kollidiert. Autsch, das kann vor allem auf langen Fahrten unangenehm werden.
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Fein justierbarer Tempomat
Unterwegs gefällt dann wieder der Tempomat, der am Schaltstock hinterm Volant aktiviert wird: Mit dem Drehrad links im Lenkrad lässt es sich fein justieren, so dass man das Wort „ruckartig“ schnell aus seinem Vokabular streicht. Um die Rekuperation einzustellen, muss man den Touchscreen bemühen, die nötigen Wege hat man schnell heraußen. Für schnelle Einstellungen (Tempopiepser und Co) gibt es per Wisch von oben nach unten ein Kurzzugriff-Menü. Neben der Ladeplanung hält das Navi nette Überraschungen parat. Sind Alternativrouten möglich, steht etwa "+200 Meter +2 Ampeln" als kleiner Zusatzhinweis am Bildschirm. Die Auswahl wird also mit Fakten unterfüttert.
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Türgriffe als Kritikpunkt
350 bis 380 Kilometer im gemischten Alltag sind zu erreichen. Auf gemächlichen City-Fahrten stehen schnell mal 8 bis 10 kWh am Bordcomputer. Lässig. 19 kWh schluckt er auf der flotten Autobahnfahrt. Die Optik ist typisch Leapmotor, sehr clean, neben C10 und B05 gibt es keine Überraschungen. Manch einer mag die Ansicht von schräg hinten mit der des Porsche Macan vergleichen. Ein Funken Wahrheit ist dabei. Starry Night Blue, die Farbe unseres Testwagens, ist übrigens die aufpreisfreie Standard-Lackierung. Uns gefällt sie sie gut. Eines noch: Die bündigen Türgriffe lassen sich echt mühsam öffnen. Es wäre lässig, wenn Leapmotor bei einem Update daran denkt – vielleicht können sie einem bei Annäherung ans Auto entgegenkommen?
| Leapmotor B10 | Elektro Design Pro Max |
| Leistung | Dauerleistung | 218 PS (160 kW) | 70 kW |
| Drehmoment | Gewicht | 240 Nm | 1.845 kg |
| 0–100 km/h | Vmax | 8,0 s | 170 km/h |
| Reichweite | Antrieb | 435 km | Hinterrad |
| Ø-Verbrauch | Batterie | 16,4 kWh/100 km | 67,1 kWh |
| Laden AC | 11 kW, 3:00 h (30–80 %) |
| Laden DC | 168 kW, 18 min (30–80 %) |
| Kofferraum | Zuladung | 420–1.300 + k.A. l | 445 kg |
| Basispreis | NoVA | 33.400 € (27.833 exkl.) | 0 % |
- Das gefällt uns: die Familientauglichkeit, die Farbe
- Das vermissen wir: ein europäischeres Fahrwerk
- Die Alternativen: MGS5 EV, Kia EV3